von Dieter | 08. Juli 2019

You wanted the best … you didn’t got the best

Es war 1980! Mein erstes Live-Konzert. Mit meinem Kumpel Peter wurden wir von Peters Ma nach Sindelfingen gekarrt. Genauer gesagt, in die Messehalle. Denn nur die war groß genug für das Mega Spektakel, dass uns erwarten sollte:

You wanted the best… you got the best. The hottest band in the world – KISS.

Schon Wochen davor waren wir aufgeregt. Sollten wir geschminkt zum Konzert oder eher nicht. Meiner Mutter schien dann die Gestaltung der Wände in meinen Zimmer „Horror“ genug zu sein. Also ging es ohne Schminke nach Sindelfingen. Als Vorband trat eine Gruppe aus England auf, die allen gänzlich unbekannt war. Sie nannten sich IRON MAIDEN.

War schon mal nicht schlecht. Aber der Knaller kam natürlich erst noch.

Wir starrten fasziniert auf die Bühne. Überall explodierte irgendwas. Gene Simmons vergoß literweise Blut und die Musik war endlich mal so laut, wie sie in unseren Zimmern keine 2 Minuten überstanden hätte.

Nach eineinhalb Stunden gingen wir völlig erschöpft und müde, aber glücklich zum Ausgang.

Das Gezeter des zu unserer Abholung eingeteilten Erziehungsberechtigten, der schon eine gefühlte Ewigkeit auf uns am Treffpunkt wartete, nahmen wir gar nicht mehr wahr. Was weiß der schon. Wir waren gerade in der Hölle. Und es war geil!

06. Juli 2019. Galopprennbahn Iffezheim. Ohne Iron Maiden. Aber mit Kiss. Und mit Peter! Zwar haben die Personen hinter den Peters gewechselt. Aber mit diesem Peter gehe ich noch viel lieber zu Kiss. Und natürlich mit Angela. Kein Kiss-Fan. Nie gewesen, trällert sie aber die letzten Tage einen Kiss-Song nach dem anderen durch die heimischen vier Wände. Eine gute Vorbereitung ist eben alles!

So starten wir gemeinsam nach Iffezheim. Dort angekommen finden wir einen Parkplatz auf einem frisch gemähten Acker. 15 Euro verlangen die gewieften Badenser dafür. Respekt! Auch die Getränkepreise erinnern eher an Pferdesportveranstaltungen in Ascot als an ein Open Air Konzert.

Iron Maiden musste David Garibaldi weichen. Der malt in kurzer Zeit Bilder von Rockstars auf der Bühne. Nicht schlecht aber dafür haben wir jetzt keinen Kopf.

We want the best…

Und dann geht’s los. Kiss starten mit Detroit Rock City. Und zum ersten Mal explodiert es kräftig auf der Bühne. Und im Hintergrund auch. Irgendwie scheint hier ein Gewitter aufzuziehen. Aber was schert uns das Gewitter. Die Hölle spielt sich vor uns ab. Shout it out loud!

Kiss kommen so richtig in Fahrt und wir auch. Nur der junge Freund vor mir dreht sich im Sekundentakt um. Seine Pirouette ist gepaart mit einem Kopfschütteln und einem „oh, oh“. Wir halten das, was ihm Sorge bereitet, immer noch Teil der Show. Schließlich blitzt und kracht es ja auf der Bühne auch.

Bei Lick it up beginnen Roadies die Pyroanlage mit Planen abzudecken und die Pirouetten-Frequenz erhöht sich dramatisch. Ich ärgere mich nur, weil ich keine Regenjacke eingepackt habe. Warum denn auch. Ist doch super Sommerwetter.

Nach Calling Dr. Love ist nicht mehr aufzuhalten, was Pirouetten-Sven schon lang vor allen geahnt hat. Das Konzert wird abgebrochen. Eine kurze Ansage von Paul Stanley, „we have to stop the show“ und Kiss sind verschwunden. Wir werden über Lautsprecher aufgefordert, das Gelände wegen eines aufkommenden Unwetters unverzüglich zu verlassen.

Zum Auto schaffen wir es nicht mehr. Wir finden Schutz hinter der Zuschauertribüne. Hier sind wir vor dem Unwetter sicher, dass sich jetzt über das Gelände hermacht. Gene Simmmons wird, auf einem Golfwagen drapiert, an uns vorbei gekarrt.

Nach einer Stunde ist für jeden klar: hier geht es heute nicht weiter! Wir nutzen eine Regenpause und gehen zum Auto. Unterwegs treffen wir auf viele frustrierte Fans. Einem ist das alles ziemlich zu Kopf gestiegen.

Auch er wird morgen nach seinem Kater realisieren: We wanted the best …

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